Braucht Adipositas Kinderschutz?

In der Versorgung adipöser Kinder und Jugendlicher stellt sich zuvorderst die Frage, wie Veränderungen in Familien angestoßen werden können. Familien, deren Kinder in einer Adipositastherapie sind, werden vor enorme Herausforderungen gestellt. Die Ernährung, das Bewegungs- und Freizeitverhalten müssen meist grundlegend verändert werden. Nicht immer gelingt es Familien, diese Veränderungen zu erreichen - mit manchmal katastrophalen Konsequenzen für die von der Adipositas betroffenen Kinder und Jugendlichen. Wenn eine extreme Adipositas mit Komorbiditäten einhergeht und es Familien nicht gelingt, Veränderungen selbstständig umzusetzen, dann braucht es Unterstützung, die über das hinausgeht, was das medizinische System leisten kann. Häufig braucht es dann Unterstützung im Rahmen der Jugendhilfe, manchmal ist das Kindeswohl akut bedroht.

Die Adipositassprechstunde des Sozialpädiatrischen Zentrums hat in Zusammenarbeit mit der Kinderschutzgruppe der Charité und Frau Prof. Dr. Beate Galm von der Hochschule Darmstadt adipositasspezifische Ankerbeispiele entwickelt, die helfen sollen, zu einer besseren Einschätzung zu kommen, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliegt. Dabei haben wir uns an den Ankerbeispielen des Berliner Kinderschutzbogens orientiert. Neben der Verbesserung unserer  Einschätzung hoffen wir, mit Hilfe der Ankerbeispiele die Kommunikation mit den Jugendämtern zu verbessern. Ziel ist es, frühzeitig in Kooperation mit den Familien und dem Jugendamt angemessene Hilfen installieren zu können, damit Familien die notwendige Veränderung gelingt um eine Kindeswohlgefährdung abzuwenden.


Die Ankerbeispiele wurden im April 2014 auf einem Fachtag vorgestellt und befinden sich nun in der Erprobungsphase.