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Medizinischer Kinderschutz an der Charite

hat eine lange Tradition. 2007 wurde die interdisziplinäre Kinderschutzgruppe gegründet. Die Kinderschutzkoordination organisierte regelmäßige Treffen und initiierte verschiedenen Projekte. Es gelang Kooperationsvereinbarungen mit Jugend- und Gesundheitsämtern zu schließen und ein Handlungskonzept für den Stationären Kinderschutz zu entwickeln. Zudem wurde der Bedarf für eine Kinderschutzambulanz formuliert. Ein wichtiges Präventionsprojekt war die Entwicklung des Schütteltraumaflyer und-films sowie das Babylotsenprojekt. Im Rahmen des Sozialpädiatrischen Zentrums wurden Kinderschutzkonzepte für verschiedene chronische Erkrankungen entwickelt, insbesondere für Diabetes und Adipositas. In den letzten Jahren haben wir interdisziplinäre Standard Operating Procedures (SOP) für die Versorgung von Opfern für sexualisierte und körperliche Gewalt entwickelt.

Neben der Kinderschutzgruppe gibt es spezifische medizinische Kinderschutzeinrichtungen an der Charité, die neben der interdisziplinären Versorgung auch eine transprofessionelle Kooperation ermöglichen:

  • Die senatsfinanzierte Medizinische Kinderschutzambulanz (KSA) hat die Aufgabe der medizinischen Abklärung einer Kindeswohlgefährdung. In der KSA findet die körperliche Untersuchung statt und kann zusätzliche Diagnostik (Labor, Radiologie) angefordert werden, ebenso können Konsile anderer medizinischen Fachdisziplinen bei der medizinischen Diagnostik unterstützen. Sichtbare Befunde können durch die Rechtsmedizin rechtssicher dokumentiert werden. Innerhalb der Abklärung werden auch die Aussagen der Kinder berücksichtigt und diese nicht-suggestive befragt und ggfls. können insbesondere bei V. a. sexualisierte Gewalt die Aussagen der Kinder ebenfalls rechtssicher durch Rechtspsychologen dokumentiert werden. Diese Dokumentationen können bei Bedarf dem LKA oder dem Gericht zur Verfügung gestellt werden. Da es sich bei Kindern mit V. a. Kindeswohlgefährdung um Hochrisikokinder für psychische Belastungen handelt, wird eine Screening für vorhandene psychische Problematik erhoben sowie der Behandlungsbedarf festgehalten. Ein zeitnahe mündliche Rückmeldung sowie ein zusammenfassender schriftlicher Befundbericht wird dem Zuweiser, in erster Linie dem Jugendämtern und den niedergelassenen ÄrztenInnen, zugestellt. 
  • Bei strafrechtlich relevanten Kinderschutzfällen bei sexualisierter oder körperlicher Gewalt kann eine Zuweisung an das Childhood-Haus(CHH) erfolgen. Dort erfolgt die medizinische Spurensicherung, die polizeiliche Erstbefragung sowie die ermittlungsrichterliche Befragung der Kinder und Jugendlichen. Es ist vorgesehen, dass diese Befragungen videographiert werden, so dass andere Verfahrensbeteiligte zuhören und ggfls. auch Fragen stellen können, und dass die videographierte Befragung im Hauptverfahren verwendet werden, so dass das Kind nicht mehr vor Gericht erneut aussagen muss. Dies ermöglicht eine Reduktion der Belastungen der Kinder. Zudem können im Rahmen von transprofessionellen Fallkonferenzen Schutz-, Bereuungs- und juristische Verfahren aufeinander abgestimmt und koordiniert werden.
  • Ein psychosoziale Weiterbetreuung kann in der Traumaambulanz (TA) stattfinden. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen des Opferentschädigungsgesetz durch das Landesamt für Gesundheit und Soziales statt. Unabhängig von einr Strafanzeige können Opfer von körperlicher oder sexualisierter Gewalt sowie auch Zeuge von Gewalt bis zu 18 Stunden psychosoziale Erstversorgung bekommen. Dies beinhaltet in erster Linie eine ausführliche Psychoedukation über Trauma und seine Folgen sowie die Stabilisierung der familiären Situation. Bei Indiktion kann auch eine traumafokusierte Psychotherapie durchgeführt werde. Nach Beendigung der Betreuung erfolgen weiterführende Empfehlungen und auch Vermittlung.

Weiterführende Informationen, Dokumente und Links

Arbeitsunterlagen der Charité

Zentral für die Arbeit im Bereich Kinderschutz sind die Handlungsleitlinien der Kinderschutzgruppe der Charité. Sie sollen Ärzten, Pflegepersonal, Sozialarbeitern und Psychologen helfen, bei Auftreten eines Kinderschutzfalles gleichzeitig zügig, besonnen und angemessen zu reagieren.

In der Kooperation mit anderen Einrichtungen ist es immer wieder hilfreich, die gleichen Instrumente zu nutzen. Insbesondere der Berliner Kinderschutzbogen sowie der Berlin-einheitliche Erfassungsbogen helfen der Kinderschutzgruppe, den Informationsfluss reibungsarm zu gestalten. Diese und andere Arbeitsinstrumente finden Sie bei den Berliner Jugendämtern.

Leitlinien und Artikel

Fachgesellschaften im Bereich Kinderschutz und verwandte Bereiche

  • APSAC – American Professional Society on the Abuse of Children: US-amerikanische interdisziplinäre Kinderschutzdachorganisation
  • BASPCAN – British Association for the Study and Prevention of Child Abuse and Neglect: britische interdisziplinäre Kinderschutzdachorganisation
  • DGKiM - Deutsche Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin
  • DGfPI – Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung e.V.: deutsche interdisziplinäre Gesellschaft für alle Fachleute, die sich mit körperlicher und seelischer Misshandlung, sexuellem Missbrauch und Vernachlässigung von Kindern beschäftigen
  • ISPCAN – International Society for Prevention of Child Abuse and Neglect: interdisziplinäre Kinderschutz-Weltorganisation

Internationale Links

Wissenswertes

Literatur

"Gefährdete Kindheit. Risiken früh erkennen, Ressourcen früh fördern"

Herausgeber: Christoph Leyendecker
46 Einzelbeträge der Autorinnen und Autoren
27 Abbildungen
16 Tabellen

Verlag: Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart
Erscheinungsjahr: 2010
Seiten: 423
Preis: 32,00 Euro
ISBN: 978-3-17-020954-1

"Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen"

Ein Handbuch zur Prävention und Intervention für Fachkräfte im medizinischen, psychotherapeutischen und pädagogischen Bereich

Herausgeber: Fegert, J.M., Hoffmann, U., König, E., Niehues, J., Liebhardt, H. (Hrsg.)

ISBN 978-3-662-44244-9

 

"Kindesmisshandlung" Medizinische Diagnostik, Intervention und rechtliche Grundlagen

Autoren: Herrmann, B., Dettmeyer, R.B., Banaschak, S., Thyen, U.

ISBN 978-3-662-48844-7

Wie Sie uns unterstützen können

Für Supervision, Fortbildungen und einzelne Projekte sind wir auf Spenden angewiesen. Sollten Sie uns finanziell unterstützen wollen freuen wir uns über eine Spende auf unser Konto:

Kontoinhaber: Charité – Universitätsmedizin Berlin

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Kreditinstitut: Deutsche Bank Berlin